Den Erstklässlern aus Tölz stinkt’s!

„Warum kannst Du den Erwachsenen nicht einfach verbieten, dass sie ihre Zigarettenkippen überall hinwerfen?“ Der Schüler der Klasse 1A dreht sich auf dem schweren Stuhl im Sitzungssaal bedächtig hin und her, während er seine Frage an Bürgermeister Janker stellt. Seine 20 Mitschülerinnen und Mitschüler warten gespannt auf die Antwort des Stadtoberhauptes. Zusammen mit Milen Rakić vom Amt für Sicherheit und Ordnung versucht dieser den Kindern zu erklären, wo die Tücken des deutschen Rechtssystems liegen: Es gelte, bei den Bürgern Einsicht und Vernunft zu wecken. Überall Kameras zu installieren, wie die Kinder ebenfalls fordern, sei deshalb genauso wenig zulässig, wie unverhältnismäßig hohe Strafen. Die sechs- und siebenjährigen Schülerinnen und Schüler der Südschule hatten sich als Klasse beim Ramadama im April beteiligt. Neben einem Fernsehgerät und einer Stoßstange sammelten sie dabei rund um ihre Schule unzählige Flaschen und Mengen an Plastikmüll. Und eben „gaaaanz viele Zigarettenstummel“, wie sie in ihrem Brief an Bürgermeister Janker beschreiben. Darin stellen sie auch die Frage: „In anderen Ländern gibt es sogar hohe Strafen, zum Beispiel 100 Euro. Wäre das nicht auch ein Vorschlag für unsere Stadt?“ Josef Janker lud die engagierte Klasse zusammen mit ihrem Lehrer Michael Zürl ins Rathaus ein. Bei dem einstündigen Gespräch im Sitzungssaal diskutierten sie das Für und Wider von Bestrafung und die Möglichkeiten der Durchsetzung. „Mit Strafen erreichen wir immer nur einen. Damit mehr Menschen ihren Müll nicht mehr einfach wegwerfen, brauchen wir viele, die aufpassen und viele, die ein Vorbild sind“, appelliert der Bürgermeister an die Kinder. Die Klasse 1A wird ihr Engagement in Sachen Müllvermeidung und Umweltschutz auf jeden Fall weiter fortsetzen. „Diese Kinder wollen sich aktiv mit einbringen“, freut sich Zürl, entweder mit weiteren Ramadama-Sammlungen oder mit einer Aktion in der Marktstraße, „damit uns die Erwachsenen auch sehen“. Zunächst aber werden sie erst einmal die Blühsamen vor dem Klassenfenster aussäen, die sie am Ende des Gesprächs als Dankeschön für ihren Einsatz von Bürgermeister Josef Janker erhielten.

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